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EINE STADT ZEIGT SICH.OFFEN STADTFESTIVAL

Eine Stadt zeigt sich. Offen. Am kommenden Wochenende, 09. + 10.06, öffnen 40 mutige, spannende und offene GastgeberInnen aus Frankfurt und Offenbach ihre privaten Räume und zeigen ihren Blick auf die Stadt und ihr Viertel, präsentieren ihre Lebens- und/oder Arbeitsräume und erzählen von sich und ihrem Leben. Eine davon ist Gastgeberin Ida mit ihrer Frau Lena, deren Tochter und Hündin Cara. Sie erzählt uns von den vergangenen Monaten – von der Entscheidung mitzumachen und all dem, was einem davor und danach so durch den Kopf gehen kann …  

Text: Ida Todisco
Fotos: Mirjam Möß

2014 fand das Festival „Eine Stadt zeigt sich offen“ schon einmal statt, damals nur in Offenbach. Wir hätten damals gerne als Gast hinter die eine oder andere Tür geschaut, waren aber grade da in Italien unterwegs. Diesmal wurden wir sogar gefragt, ob wir als Gastgeberinnen mitmachen wollen. Nach einmal drüber schlafen war klar, dass wir dabei sind. Die Vorstellung, (noch) fremden, interessierten Stadtnachbarn für 1 bis 2 Stunden unsere Eingangstür zu öffnen und ins Gespräch zu kommen, gefiel uns. Offenbach ist weltoffen und wir gehören zu denen, die es lieben, in so einer internationalen Stadt zu leben. Als Gastgeberinnen und auch selbst als Gäste bei anderen freuen wir uns auf die Geschichten aus dem Arbeits- und Alltagsleben, auf die Berichte vom Ankommen, Bleiben und Leben hier in der Region. Dieses moderne Projekt erinnert ein bisschen an die viel ältere Tradition der Salonkultur, bei der Begegnungen von Freuden & Fremden auf der Tagesordnung standen und zum Beispiel Schriftsteller, Musiker, Künstler sich bei jemandem zu Hause trafen, um sich dort bei Wein oder Tee über ihre aktuellen Projekte auszutauschen oder diese vorzutragen. Das Private wird öffentlich, das Öffentliche privat.   
Kurz nach unserer Zusage wurden von einer wirklich tollen Fotografin Bilder für die Festival-Homepage geschossen, was teilweise nicht einfach war, weil unser Hund mit auf einige Bilder sollte, aber nicht wollte, und weil ich prinzipiell auf den Boden oder in die Luft schaue beim Fotografiert-Werden.  Dann folgte ein persönlicher Fragebogen, mit dem alle GastgeberInnen auf der Homepage näher vorgestellt werden sollten. Auch für uns selbst legte er offen, wie viel uns verbindet, wie wir durch ganz ähnliche Sozialisationsbrillen auf die Welt blicken, neben all den Unterschieden, die uns auch ausmachen. Man durfte Fragen beantworten wie: „Was wünschst du dir noch in der Stadt?“ oder „Was ist dein Lieblingsgericht?“ Was Lena mit zwei indischen Worten und ich mit einer halben Seite beantwortete.

Neben- & Wechselwirkungen

Schon kurz nach unserer Zusage merkte ich, dass mich neue Blickwinkel auf unser Zuhause überfielen. Mit einemmal betrachtete ich die wohlbekannten Zimmer, Hof und Garten mit dem imaginierten Blick eines Fremden, der hier zum ersten Mal reinspaziert, und fragte mich, was die Gäste am besagten Juniwochenende wohl von diesem und jenem halten würden. Den windschiefen Tomatenpflanzen, dem auf dem Sperrmüll gefundenen Sessel, dem in einem Kunstsupermarkt gekauften Bild oder der von uns selbst gestalteten rohen Küchenwand … Wir freuten uns auf die Gäste, die einfach so bei uns auf dem Teppich stehen und all diese Dinge und Räume, unsere zusammengewürfelten, liebgewonnenen Lebensbegleiter anschauen und begutachten würden.  Diese Nebenwirkung verflog nach einigen Tagen wieder, flammte aber immer mal wieder auf und brachte einen besonderen Blick auf unser Leben und unsere Dingwelt mit sich.    

Putzpläne

Vor ein, zwei Wochen begannen dann die konkreten Vorbereitungen für unser „Eine Stadt zeigt sich offen“-Wochenende. Wir wollten bis zum Startschuss unser kleines Zuhause ordentlich auf Vordermann bringen, um es von seiner besten Seite zu zeigen, logo. Also erst mal Altpapier und Altglas weg zum Container, Caras Fellwollmäuse wegsaugen und sie selbst fast täglich im Hof bürsten. So gepflegt sah unser Hund noch nie aus. Wir räumten Wäscheständer, Blumentöpfe, Koffermatratzen und die seit Wochen verwaisten Fahrrad-Flicksachen im Wintergarten weg und bemerkten dabei, dass jetzt wieder ein ganzes Fußballteam reinpasste. Gut, so kurz vor der WM. 
Wir teilten unseren Putzplan stockwerkemäßig auf: Lena das obere, ich das untere samt Wintergarten. Es war, als würden meine Schwiegereltern zu  Besuch kommen. Beim Klar-Schiff-Machen entdeckten wir in unserem Zuhause einiges Verlorene oder Vergessene. Beim Zeitungsstapel-Wegräumen und Bücherturm-Sortieren fand ich nette Botschaften, Urlaubskarten und Einladungen, die bereits ohne uns abgelaufen waren. Fand lang gesuchte Visitenkarten, Gutscheine vom meinem letzten Geburtstag.  Nach zwei Tagen war alles picobello und so ordentlich wie kurz nach unserem Einzug hier.

Ich muss jetzt übrigens Schluss machen. Im Wintergarten und Garten müssen noch ein paar Stühle und eine Bierzelt-Garnitur (ich liebe dieses Wort) aufgestellt werden. Und ich freue mich jetzt schon wie Oskar als Türöffnerin auf unsere Gäste und deren Geschichten. 

Weitere Infos zum Stadtfestival: www.offen.city